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WELTREISE - 9.2.2005 18:55:15   
Christian Beuthe

 

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Mitglied seit: 26.9.2004
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Weltreise mit HONDA CBR 900 RR Fireblade


« Auf und davon »


Was einen Mann bewegt, eine Weltreise zu machen, kann man sich vorstellen. Warum er dafür eine Honda
Fireblade wählt, erfordert indessen einige Erklärungen von dem 39-jährigen Holländer Sjaak Lucassen.

Von Annette Johann

»Alles nur eine Frage der Einstellung und des Zeitplans. Wenn du nicht zu einem festen Termin ankommen
musst, ist jede Strecke zu bewältigen. Mit jedem Motorrad.« Auch die 500 Kilometer lange Schlammpiste in
Kenia, auf der Sjaak am ersten Weihnachtstag 1997 sieben Stunden für fünf Kilometer brauchte? Auch die.
»Ich habe mir einfach überlegt, wovor man da Angst haben soll, wenn man genug Sprit und Essen dabei
hat und vor lauter Regen nicht mal verdursten kann.« Klingt einleuchtend. Sjaak Lucassen, 39 Jahre und
im früheren Leben Arbeiter bei einem Kartoffelhändler, braucht einen gewissen Adrenalin-Pegelstand, um
überhaupt Ruhepulsniveau zu erreichen.

Vermutlich herrschte in seinen Adern schon Unterdruck, als er sich am 23. Mai 1995 in dem kleinen
limburgischen Nest Maashees an der Maas, wo das einzig Aufregende die Rechts-Links-Kurve auf der
Landstraße von Groningen nach Boxmeer ist, mit seiner 80 000 Kilometer alten CBR 900 RR auf den Weg
gen Osten machte. Auf dem Heck ein 20 Kilo schweres Koffersystem aus zwei Millimeter-Alublech, an der
Gabel Faltenbälge und ein Lenkungsdämpfer, der Rest blieb original. »Beim Reisen ist entscheidend, dass
man sich wohl in seiner Haut fühlt. Und auf meiner Fireblade fühle ich mich wohl. Aber nur so, wie sie ist.«

Am 26. Mai knallt an der polnischen Grenze in Görlitz der erste Stempel in den Pass - drei Monate später
erreicht er Wladiwostok. 26 333 Kilometer Erfahrungen liegen hinter ihm und der Blade. Und die waren
leichter, als er es sich vorgestellt hat. Bis auf die unablässigen Polizeikontrollen läuft es gut. Die CBR
rennt wie der Teufel, schluckt tapfer auch das mieseste Benzin, legt Wochen auf löchrigem Asphalt und
hinter dem Ural auf Sand- und Schotterpisten zurück. Sjaaks Konzept, trotz der Aufbauten den Schwerpunkt
möglichst tief zu halten, funktioniert. Selbstgeschweißte Alubehälter über dem Kurbelgehäuse tragen
schwere Ersatzteile wie Kette und Ritzel. Ersatzgriffe, Züge, Bremsbeläge, Blackbox und Regler liegen in
den fahrdynamisch günstig über der Radachse platzierten und nur halbvoll gepackten Koffern. So bleibt
das Kampfgewicht überschaubar, 225 Kilo vollgetankt und inklusive Aufbau plus Inhalt. Die große Waffe
eines Sportmotorrads. Dafür gehen Sitzposition und stramme Federung auf die Kondition. »Ich muss
sicher öfters Pause machen wie die anderen. Aber es ist ja egal.« Sjaak hat Zeit. Unbegrenzt.

Endlose Tundra und Taiga umgeben die beiden, Staubpisten flach bis zum Horizont. Dem Holländer
gefällt’s. »Russland war eines der spannendsten Länder der Tour. Nie weiß man, was passieren wird,
ob nach zehn Kilometer der Weg überhaupt noch weitergeht. Die Bewohner wissen es meist selbst
nicht.« Adrenalin pur. Als der Piste in Sibirien ganz aufhört, verlädt er die Honda auf die Transsibirische.

Am 28. September rollt er von einem Frachtschiff auf Japan ein, und alles wird anders. Straßen und
Infrastruktur sind nun perfekt, die Reglementierungen jedoch entsetzlich. Über 60 km/h kommt er kaum
hinaus. Dennoch, junge Kneepad-Träger gucken beeindruckt die abgefrästen Fußrasten und schräg-
lagentauglichen Koffer an. Die Freuden der Sporttouristen. Sjaak feiert seinen 34. Geburtstag. Und die
Blade kriegt neue Reifen. Pirelli MTR 03/04, echte Sportpellen, was sonst. »Wenn man die bis auf die
Leinwand runterfährt, kommen schon 20 000 Kilometer zusammen. Die Straßen haben ja nicht so viel
Grip.« Plattfüsse dichtet Sjaak provisorisch mit Holzschrauben ab. Sind zehn zusammen, wird ordentlich
geflickt. Einen 180er Tubeless montiert man nicht für nichts.

Sjaak bleibt in Asien, setzt zum Jahreswechsel 95/96 nach Thailand über, durchquert Malaysia und die
indonesischen Inseln. Es passiert, was irgendwann passieren muss. Bei einem unübersichtlichen
Überholmanöver vor einer Brücke kracht er mit dem Vorderrad in ein riesiges Loch –wo normalerweise
das Verbindungsstück zwischen Strasse und Brücke wäre, fehlt ein halber Meter. Das Motorrad fliegt
zwei Meter durch die Luft, landet sensationionell auf den Rädern, ist aber schwer angeschlagen:
Vorderrad und Gabel verbogen und vom herausspritzenden Gabelöl ein Bremssattel unbrauchbar.
Mit dem krummem Vorderbau und nur einer Bremse kommt Sjaak zwar mühelos zureckt, die
empfindlicheTubeless-Felge fordert indessen den Einsatz eines Schweißbrenners. Und eines
bereits elf mal geflickten und einmal gerissenen Schlauchs, den Sjaak aus dem Müll fischt, näht,
klebt und damit das Vorderrad wieder halbwegs dicht kriegt.

Erst Wochen später kann er sich in einer australischen Werkstatt der Maschine widmen, alles wieder
instandsetzen. 60 000 Kilometer und gut ein Jahr sind sie unterwegs, 140 000 stehen insgesamt auf
der Uhr. Zeit für eine Generalinspektion. Doch viel ist nicht dran, die Fireblade läuft und läuft. Ärger
macht nur das selbstgebaute Koffersystem. »Weil Gepäckträger brechen können, baute ich ein
trägerloses System unmittelbar auf den Rahmen.« Leider bricht nun das ganze Alu-Heck. Mehrfach.
Bei der Honda am mächtigen Brückenrohrrahmen nur angeschraubt, ließ es sich bislang zwar immer
wieder zusammenbrutzeln, doch nun macht Sjaak es mit stählernen Verstärkungen ewigkeitstauglich.
Was auch nötig ist, denn auf den australischen Outback-Pisten braucht die Sportlerin Speed.
»Spandpisten gehen entweder mit 10 oder mit 80 km/h.« Fast zehn Monate cruisen die beiden durch
Down Under, erreichen in Neuseeland den entferntesten Punkt ihrer Reise. »Maashees 86 476 Kilometer«
schreibt Sjaak stolz auf einen Wegweiser. Theoretisch beginnt nun die Rückreise.

Praktisch geht es per Schiff geht es auf den indischen Subkontinent und von dort in die Höhen des
Himalaya. Jetzt wird es wirklich hart für die Blade: Der Sprit ist bis zu einem Drittel mit Dieselöl gestreckt
und hat Oktanwerte unter dem Gefrierpunkt. Gewaltige schwarze Qualmwolken hinter sich herziehend,
kriecht sie bis auf 4600 (?) Meter Höhe und erreicht auf dem legendären Karakorum-Highway im
Juli 1997 die chinesische Grenze. »Der lange erste Gang macht das Anfahren zur quälenden Prozedur,
doch dann fährt sie tapfer.« 128 PS schieben auch mit halber Kraft noch mächtig an. Immer wieder
schrappt der Kiel mangels Bodenfreiheit über das Geröll, »aber bis auf den Auspuffsammler ist da
unten ja nichts Lebenswichtiges.« Der wird zwar allmählich immer flacher, doch das einstige Edel-
Rennbike nimmt’s nicht krumm. Immer noch drückt sie mit schierer Kraft die 180er-Pelle um die
Kehren, dass es für Sjaak eine schiere Lust ist.

Langsam arbeiten sich die beiden Richtung Europa zurück, als im Iran der erste technische Defekt
sie stoppt. Die Lichtmaschine gibt auf. Eine Woche später ist bereits Ersatz da – vom holländischen
Automobilclub geschickt. Sjaak hat tatsächlich einen Auslandsschutzbrief.

Kurz vor dem ersten afrikanischen Längengrad null der Tacho zum zweiten Mal. Gelegenheit für Sjaak
zu überlegen, ob er nach zweieinhalb Jahren wirklich schon nach Hause will. An der türkischen Grenze
dreht er entschlossen den Stummellenker südwärts – er will noch nicht. Vor ihm liegt Afrika. Und der
vielleicht schwerste Teil der Reise.

Bis Äthiopien geht alles gut, die Blade fegt über Wellblech- und Sandpisten, bietet Abenteuer pur.
Doch an der Grenze zu Kenia beginnt der Regen, tage- und wochenlang. Weicht die einzig mögliche
Piste metertief auf. Nur noch ein paar Lkws wühlen sich noch durch, riesige Spurgräben hinter sich
herziehend. Dann kommt dieser erste Weihnachtstag 1997, an dem Sjaak sieben Stunden für fünf
Kilometer braucht. Immer wieder zieht er die CBR aus dem Schlamm, kratzt mit dem Taschenmesser
das Vorderrad frei. 20 Liter auf Kanister und Colaflaschen verteilter Reservesprit machen’s nicht leichter.

Doch irgendwann ist er durch, »hinter dem Äquator war alles gut«. Auf löchrigen Straßen rollt er gen
Süden, Botswana, Namibia und Südafrika wirken fast schon heimatlich. Ausgerechnet dort erwischt
ihn der Lkw, reißt ihn samt Maschine schmerzhaft zu Boden. Dennoch – am 25. Mai 1998 landen
beide in Mailand, fünf Tage später sind in Maashees. Nach drei Jahren, einer Woche und 160 000
Kilometern. Ob er etwas bereue? Nein, nichts. Bald startet er wieder. Nach Amerika. Und von Alaska
über die Beringstraße zurück. Diesmal mit einer Yamaha R1.

Quelle: MOTORRAD 13/2000 Seite 98
__________________________________________________

Einfach klasse, was frau/mann so in MOTORRAD lesen kann. Das macht Lust auf mehr. Vor allem die
Damen des Hauses sind immer wieder aufs Neue ein literarischer Lichtblick. Super und weiter so.

Herzlichen Gruss
chris-XX

PS. ... mehr Infos gibts auf www.sjaaklucassen.nl
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... kleine Fotosession für echte Globetrotter - 21.4.2005 14:44:57   
Christian Beuthe

 

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Mehr als Sand und Dünen ...

« Wüsten sind schillernde Orte »

Der Fotograf Michael Martin erzähl, wie unterschiedlich wir sie auf Reisen erleben können: Fragte
Ich die Besucher meiner Vorträge, woran sie denken, wenn sie sich die Wüste vorstellen, so würden
sie antworten, dass sie sich Sand vorstellen, Sand so weit das Auge reicht, nur Dünen und einen
flimmernden Horizont. Und fragte ich dann weiter, welche Wüste wohl ihrer Vorstellung entspräche,
so würden sie mit Sicherheit nicht Rub al Khali oder Negev sagen, sondern Sahara.

Seltsam, nicht? Ich meine, es ist seltsam, weil sich die Menschen etwas vorstellen, das mit der
Wirklichkeit nicht viel zu tun hat. Denn neun Zehntel der Sahara bestehen aus Geröll, aus Stein und
Kies. Warum also Sand und Dünen? Ich bin nicht sicher, aber vielleicht ist es einfach so, dass wir
für schwierige Begriffe einfache Symbole brauchen, Bilder, die an ihre Stelle treten. Mit den Bergen
ist es ja nicht anders. Wenn wir an die Berge denken, dann haben wir das Matterhorn im Kopf. Das
Matterhorn, obwohl kein anderer Berg dessen besondere Form besitzt.

Ich glaube, manchmal denken wir Erwachsenen wie die Kinder, wir denken in denselben Bildern.
Sand und Dünen, das sind die Wüstenbilder unserer Kinderbücher.

Mir selbst fällt es auch nicht leicht zu sagen, was Wüste wirklich ist, selbst wenn ich ein halbes
Leben in den Wüsten dieser Welt verbracht habe. Sie sind alle so unterschiedlich. Nehmen Sie die
Gobi in Zentralasien, die eigentlich mehr Steppe ist als Wüste; nach extremen Dürresommern fällt
das Thermometer winters dort auf bis zu minus 40 Grad. Oder nehmen Sie die Atacama, eine
Küstenwüste, Südamerika, auf die unser Klischee der heißen, trockenen Sandwüste ebenfalls
nicht zutrifft. Die Atacama mag zwar weitestgehend frei von Niederschlägen sein, andererseits
aber grenzt sie an den Humboldtstrom und ist deshalb recht feucht.

Was ich damit sagen will: Es hat nicht sehr viel Sinn, all diese Wüsten über einen Kamm zu
Scheren, weder sie noch all die Menschen, die in ihnen leben, seien es mongolische Hirtenvölker,
die in ihren alten Jurten sitzen, oder australische Nomaden, die in beheizten Wohncontainern hausen
und ihr Vieh mit Hubschraubern zusammentreiben. Das alles ist doch eine Frage der Perspektive.

Wenn ich in diesen Tagen an die Wüste denke, dann denke ich an sie als Vortragsreisender. Als
einer, der heute hier auftritt und morgen dort, der überflutet ist von Eindrücken und der sein Leben
Teils wie einen Film im Zeitraffer wahrnimmt. Als Vortragsreisender kann ich nun sagen, dass mir
die Wüste wie ein Gegenkonzept zu unserem städtischen Alltag vorkommt. Sie ist ein Ort, der einen
ausbremst; ein Ort der Reduktion, dessen Reiz gerade in der Abwesenheit von Reizen liegt. Es gibt
dort keine Menschen, es gibt dort keine Termine, keine Autos, keinen Stau. Stattdessen gibt es
Weite und Natur und Licht, Licht, Licht.

Wenn ich als Fotograf an die Wüste denke, dann denke ich vor allem daran: an das Licht des
Wüstenwinters. Ein warmes Licht, nicht aggressiv, und doch mit einer Kraft zum Fliegen austreiben.
Fünf Jahre sind wir unterwegs gewesen, meine Lebensgefährtin Elke und ich, 50 Länder haben wir
durchquert in 920 Tagen, alle Kontinente, alle Wüsten, und nur das Licht hat die Tage strukturiert.
Wenn es gut war, blieben wir, filmten und fotografierten. Unser Motorrad müssen Sie sich vorstellen
wie ein Fotostudio auf Rädern, bepackt mit Dutzenden Stativen, Schirmen, Kameras. Einen Werk-
zeugkoffer hatten wir dabei, Wasser für drei Tage und Benzin, doch nicht einmal ein Hemd zum
wechseln. Geschlafen haben wir im Freien, aber wo das sein würde, das war uns, wenn wir morgens
aufgebrochen sind, nur selten klar.



Denn eines darf man nicht vergessen: Trotz der modernen Navigationssysteme ist das Durchqueren
einer Wüste nach wie vor eine ungeheure Herausforderung. Das GPS-Gerät sagt mir zwar, dass
sich in 320 Kilometer Entfernung eine Oase befindet, aber es schweigt über den Weg dorthin. Wie
oft standen wir in Schluchten, aus denen es keinen Ausweg gab, wie viele Vormittage haben wir
damit verbracht, unser Motorrad freizuschaufeln. Kein GPS-Gerät der Welt zeigt an, wo Landminen
im Boden stecken, und es sagt auch nicht, dass man als Individualreisender im Iran kein Visum
kriegt. In Togo sahen wir uns eines Morgens von einem Rebellentrupp umstellt. Die Männer
kontrollierten unsere ****, sie hielten uns die Waffen vor, zwei Stunden land, dann nahmen sie
das Flickzeug und setzten uns auf freien Fuß.

Wir hatten Glück. Doch was ich meine ist, so sehr die neue Technik bei der Orientierung hilft, so
sehr sie also die Gefahr bann, zu verdursten, so wenig nimmt sie einem die Ungewissheit. Wenn
Sie erfahren wollen, an welcher Piste auf dem Weg von Mauretanien nach Mali Banditen lauern,
dann bleibt nur eins: Sie müssen die Menschen fragen, die dort leben.

Anders als das Auto, ist das Motorrad dabei eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme. Wenn
Sie derart ungeschützt daherkommen, sind Sie für die Menschen gleich viel greifbarer. Sie wirken
weniger bedrohlich, zumal wenn sie als Pärchen unterwegs sind. Mir fiel es nie schwer, mit Wüsten-
menschen in Kontakt zu kommen, mir schien, dass sie im Grunde neugierig auf Fremde sind. Ihr
Leben ist ja nicht so reich an Abwechslungen. Aber Reichtum ist individuell, ist eine Frage des Seins.

Ich will ein Beispiel geben. Vor 20 Jahren saß ich mal für eine Woche fest, wes war eine kleine Oase,
irgendwo in Mali, und ich ging dort jeden Tag in einen Kaufmannsladen, um Wasser zu besorgen. Mit
dem Besitzer habe ich nie mehr als ein paar Worte wechseln können, doch als ich im vergangenen
Jahr wieder in dieser Oase rastete, gegrüßte mich derselbe Kaufmann überschwänglich. Er rief: Michel,
Michel! Der alte Mann hat sich nach dieser langen Zeit an mich erinnert. Ich hatte ihn schon längst
vergessen. Es ist eben das Sein, welches das Bewußtsein bestimmt.

Als Europäer ist man in der Wüste ein Exot, etwas Besonderes. Ich glaube, es ist deshalb umso
wichtiger, dass man die Menschen mit Respekt behandelt (… und nicht nur dort!). Ich habe stets
versucht, ihnen etwas zurückzugeben, und Sie glauben gar nicht, wie sehr sich jemand über ein
einfaches Polaroid-Bild freuen kann. Es ist ein Festtag. Die Menschen treiben ihre ganze Familie
zusammen, Kinder werden umgezogen, alles wegen dieses einen Bildes, ich würde heute nie mehr
ohne Polaroidbild-Kamera in eine Wüste fahren.

Um diese Sache mit den Bildern zu verstehen, muss man vielleicht wissen, dass es in Afrika zwar
2.000 Sprachen gibt, doch gerade zwei von ihnen haben eine Schrift. Die afrikanische Kultur war
immer eine mündliche, Geschichte wird erzählt; und wenn Sie dieses in Betracht ziehen, dann
erkennen Sie, was für einen Wert ein solches Polaroid besitzen kann. Es ist so etwas wie ein
historisches Dokument.

Wenn Sie so wollen, dann ist das, was ich bei meinen Vorträgen tue, davon nicht wesentlich
verschieden. Auf meinen Veranstaltungen zeige ich Bilder und erzähle dazu eine Geschichte.
Für mich ist dies die adäquate Form, Erlebnisse mitzuteilen. Ich bin kein Chatwin und kein
Livingstone. Ich bin nicht in der Lage, verklärende Romane aufzuschreiben. Ich habe mich nur
einfach immer hingestellt und vorgetragen, sachlich, nüchtern. Eine Abenteuerstory der Art „Mein
Weg durch die Wüste des Todes“ werden Sie von mir nicht hören.



Dabei war schon auch Abenteuerlust dabei, als ich mit 17 meine ersten Touren unternahm. Mit
dem Mofa sind ein Freund und ich nach Spanien gefahren, in den Schulferien, wir wollten unbedingt
nach Almeria, um die Europäische Süd-Sternwarte zu besuchen. Von dort ging es dann weiter nach
Marokko, Sterne gucken in der Wüste, und ich war damals ein fanatischer Hobby-Astronom, und
was ich sah, war eine Zauberlandschaft. Die Sahara schien mir wie ein riesengroßer Abenteuerspiel-
platz gleich vor unserer Haustür. Ich fuhr wieder hin und wieder, ich hielt zu Hause Vorträge darüber
und finanzierte so die nächsten Reisen. Als ich später Geographie studierte, was das Interesse an
den Sternen erloschen. Ich begann, die Wüste mit den Augen eines Wissenschaftlers zu betrachten.

Heute liegt mir viel daran, in meinen Vorträgen zu zeigen, was für ein schützenswerter Ort die Wüste
ist. Anders als die Berge oder Wälder hat die Wüste keine Lobby, sie wird als Müllhalde für Chemie-
kalien benutzt, Amerikaner und Chinesen haben hier ihre Atomwaffentests gemacht. Viele Wüsten
breiten sich durch zu viel Ackerbau und durch zu große Rinderherden aus. Und dort, wo die Moderne
Einzug hält, wo nicht die Armut Überkommenes bewahrt, werden aus Nomaden Erdölarbeiter, die
Ihre Trachten ablegen und stattdessen T-Shirts tragen. Die Wüsten sind bedroht, aber im Gegensatz
zum Wald betrachten viele sie als lebensfeindliches Gebiet. Sie denken, dass die Wüsten überflüssig
sind, totes Terrain. Sie übersehen, dass sie sehr wichtig sind für den globalen Klimahaushalt.

Aber diese Lebensfeindlichkeit hat auch ihr Gutes. Ich habe durch all die Reisen eine ungeheure
Kraft gewonnen, ich gebe nicht gleich auf, wenn ich auf Widerstände stoße. Die Wüste macht einen
Geduldig, und meistens hilft mir das auch hier, zumindest eine Weile lang, dann spüre ich das
Kribbeln wieder.

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 19.01.2005 von Marian Blasberg
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MICHAEL MARTIN

Schon mit 17 Jahren habe er seine Leidenschaft für Wüsten entdeckt, sagt der Münchner
Michael Martin. Das war 1980. Seither unternahm er 80 Reisen in die Wüsten Afrikas, fotografierte
und erforschte diese Gebiete. Das Ergebnis: 15 Bildbände und über 1.000 Diavorträge – unter anderem
vor der Royal Geographical Society in London. 1999 begann der diplomierte Geograph dann sein
weltumspannendes Fotoprojekt „Die Wüsten der Erde“. Für das gleichnamige Fotobuch bekam er
internationales Lob.


MICHAEL MARTINS WÜSTENTIPP

Für Wüstenanfänger empfiehlt sich ein Trip in die Namib-Wüste in Namibia. Die Namib ist eine
überschaubare Größe, besitzt eine gute Infrastruktur, und es gibt weder Probleme mit der Sicher-
heit noch mit Tropenkrankheiten. Ein Flug von Deutschland aus ist über Windhuk zum Beispiel
mit LTU oder Air Namibia möglich. Am Zielflughafen sollte man sich einen Mietwagen nehmen
und dann, am besten während der dortigen Wintermonate, zwischen Mai und September, drei
Wochen auf eigene Faust die Wüste erkunden.

Tagsüber ist es um die 20 Grad warm, nachts kühlt es bis auf null Grad ab. Zu dieser Zeit gibt es
keine Schlangen in der Wüste. Übernachten sollte man im eigenen Zelt auf einem der Campig-
plätze oder unter freiem Himmel, um so die Weite und Romantik der Wüste richtig genießen zu
können.
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... nur ein Meer aus Sand und Dünen ???


Kurzbeschreibung:

Michael Martin, Fotograf, Diplom-Geograf und Abenteurer, hat fünf Jahre lang die Wüsten
dieser Welt bereist. Auf 300 Farbfotos zeigt er ihre ganze, abwechslungsreiche Pracht.
Der umfangreiche Text basiert auf aktuellem wissenschaftlichem Stand und wird von
Experten-Beiträgen zu Spezialthemen ergänzt.


Beschreibung zu: Die Wüsten der Erde

Ein Drittel der Erdoberfläche besteht aus Wüsten und Halbwüsten. Doch Wüste ist mehr als
Sand, ist eine Vielfalt von Landschaftsformen und ein extremer Lebensraum für Menschen,
Pflanzen und Tiere. Michael Martin, Fotograf, Abenteurer, und Deutschlands bekanntester
Vortragskünstler, hat sie alle gesehen: das endlose Sandmeer der arabischen Rub al-Khali;
die von den großen Gebirgsketten abgeschirmten Becken Zentralasiens; die Felsgebirge der
Sahara, die so vielgestaltig sind wie ein eigener Kontinent; die Trockengebiete in Nordamerika
mit ihren faszinierenden Pflanzenwelten; die einsamen Wüsten Australiens; die Küstenwüsten
Perus und Chiles; die Danakil am Horn von Afrika mit ihren spektakulären Vulkanen und die
Namib mit ihren ins Meer abbrechenden Dünen. Doch Michael Martin geht es nicht nur um
die Landschaft, genauso wichtig sind ihm die Menschen, die seit Jahrtausenden mit und in
der Wüste leben. In beeindruckenden Bildern fängt er die facettenreiche Kultur der Nomaden
ein. Fünf Jahre lang ist Michael Martin mit seiner Lebensgefährtin und Kamerafrau Elke Wallner,
die dabei eine Fernsehdokumentation drehte, durch alle Wüsten der Erde und mehr als 52 Länder
gereist, darunter so schwierige wie Afghanistan, Turkmenistan oder den Tschad. Sämtliche Motive
wurden exklusiv und aus einer Hand für dieses Buch fotografiert. Auch der umfangreiche Text von
Michael Martin genügt höchsten Ansprüchen. Als Diplom-Geograf selbst fachkundig, hat er die
aktuelle wissenschaftliche Literatur zu Rate gezogen. Zur Ergänzung gibt es Texte von Wissen-
schaftlern zu Spezialthemen. Zudem bieten 18 hochaktuelle, auf Satellitenbildern beruhende
Karten, Information und Orientierung.



Die Wüsten der Erde
Autor: Michael Martin
Verlag: Frederking & Thaler
Buch, 372 S., Gebunden,
Erschienen: September 2004
ISBN 3-89405-435-2
EUR 50,00
www.michael-martin.de
__________________________________________________
... Wüste ist anders, als frau/mann denkt. Wüste ist einzigartig, ist faszinierend.

Herzlichen Gruss
chris-XX


PS. ... dazu die passenden Specials in MOTORRAD:

Teil 1: Arabien, Asien und Australien - MOTORRAD 22/2004

Teil 2: Süd- und Nordamerika - MOTORRAD 24/2004

Teil 3: Sahara - MOTORRAD 01/2005



Reisefieber: When the music is over ...

(in Bezug auf Christian Beuthe)
Private Nachricht senden Post #: 2
NICHTS IST UNMÖGLICH! - 5.7.2005 12:35:15   
Christian Beuthe

 

Beiträge: 229
Mitglied seit: 26.9.2004
Status: offline
Der Geist und die Dunkelheit




» Jenseits von Afrika


hallo MOTORRAD,

... hey, das ist aber mal ein GUTER, schöner, bunter Bilderreigen.

Bin begeistert!
chris-XX - Monoposto-Ducatista, Heuschrecke und potentielle 3-dB/A-Punkte-Landplage

(in Bezug auf Christian Beuthe)
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