für mich hat der Frühling begonnen

 
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für mich hat der Frühling begonnen - 26.3.2005 0:46:00   
Cortez


Beiträge: 12
Mitglied seit: 12.3.2005
Status: offline
ein kleiner Monolog aus meinem bescheidenen Leben:

Es ist Montag, der 14. März 2005. Das Wochenende ist um, die letzte Schulwoche vor den Osterferien beginnt. Nur noch 2 Schularbeiten und ein Test und dann heißts: 1 1/2 Wochen Ferien bzw mitm B-Schein-Kurs beginnen. Nach 4 Stunden Schlaf, gerade noch aufgerafft, erfahre ich in der Schule, dass die erste Stunde ausfällt. Ich sowieso noch im Halbschlaf, hau mich in eine Ecke inner Klasse. Kennt ihr das Gefühl, wenn die Augenlieder tonnenschwer werden? Ihr sitzt hier, 3 andere Personen im Raum, die an der Hausübung arbeiten. Also einfach die schwarze Schirmkappe mir ins Gesicht gelegt und meine Augenlieder der unendlichen Schwerkraft hingeben lassen. So ist dann eine knappe Stunde wie im Fluge vergangen.

Der Vormittag, normaler Unterricht. Die Motivationkurve mit der Tendenz stark sinkend. Die erfrischende Kälte in der Früh hat meine Motivation sowieso bei 0 beginnen lassen, aber im Laufe der Zeit stieg die Temperatur immer mehr und mehr. Bis es schon dermaßen warm war, dass ich zu Mittag - nach einer Mathematikstunde, die mir vorgekommen ist wie 4 Stunden (nur so nebenbei: habt ihr mal auf die Uhr geschaut und gewartet, bis der Zeiger die auf die nächste Sekunde schlägt, aber der Zeiger einfach stehenbleibt und nimma weitergeht?) - nur im T-Shirt und Pulli zum Maci gehen konnte um dort Mittag zu essen (ich finde es immer wieder toll, wenn solch Restaurants mit gesunder Nahrung auf dem Speiseplan immer wieder direkt neben Schulen aufzufinden sind). Aber das tägliche dem-Bus-nachrennen-weil-ich-nicht-30min-auf-den-nächsten-warten-will verbrennt natürlich all diese Kalorien - das alles kommt mir oft als perfekt abgetimt (beachte: perfekt eingedeutschtes Englisch!) vor. Die Motivation im Keller, aber wenigstens scheint mir die Sonne auf die Kopfhaut (und so wie ich mich gefühlt hab schien sie ausm Arsch wieder raus...).

Ok, zu Mittag gegessen, hab ich mich auf den Rückweg zur Schule gemacht - 2 Stunden Mathematik Förderkurs lagen vor mir. Danach (bei diesem Wort denkt man, das is nur n Klacks gewesen ... eher würds treffen: im nächsten Leben...) bin ich rausgegangen wie ein 80-jähriger, dessen Knochen nicht mehr wollen. Gebückt, gelangweilt, aber dennoch ein kleiner Grinser im Gesicht, weil ich meinte dem Schnee beim schmelzen zuschauen zu können. Dieses Glücksgefühl wurde aber stark unterdrückt von dem Gedanken, dass jetzt noch 2 Stunden Mathe-Nachhilfe vor mir liegen und ich musste mich beeilen, damit ich nicht zu spät komme (nu enwelle got!). Ca 45min mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Istanbul (Wiens U-Bahn-Netz) gepilgert mit dem Ziel nach mehr Wissen, bin ich an einer Einkaufsstraße gelandet. Und genau da passierte es:

Müde und demotiviert, wie es sich für einen Montag gehört, stand ich an einer Kreuzung und wartete sehnsüchtig darauf, dass dieses depperte grüne Lamperl mir gegenüber endlich aufleuchtet. Doch da wurde ich aus meinem normalem Tagesablauf, der mir im Winter wie ein einziger sich immer wiederholender Traum vorkommt, mit einem *klacks* aufgeweckt. Obwohl das das falsche Wort ist. Es war mehr als ein klacks, es war viel mehr. Es war ein schnurren, ein Gröhlen, ein Bollern. Auf einmal wurde es noch wärmer um mich herum - war es das Wetter, das heute endlich schwarze Zahlen schrieb, oder war es mein Puls, der in dem Moment drastisch in die Höhe schoss? Das wird wohl immer ungeklärt bleiben. Ich schaute von diesem anvisierten nicht-aufleuchten-wollendem Licht weg, in Richtung dieses Objekts, was sich kugelförmig ausbreitende Druckwellen von sich gab, was wohl jeder in meiner Umgebung gespürt haben musste. Selbstverständlich gleich als erster an der Kreuzung, stand nichts weiter als eine schwarze KTM Duke II. Den Blick weiter nach hinten gewandt, erkannte ich einen Carbon-Enddämpfer von Akrapovic. Wie ein ausgehungerter Hund, der Futter wittert, begannen meine Speicheldrüsen auf Hochleistung zu arbeiten. Ich war gefesselt, ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ich konnte nur noch dieses einzigartig geile schwarze Etwas anstarren.

Ich war Beton. Glühender Beton. Dann fixierte ich den Reiter dieses Höllendings, der ebenfalls wie ich bis vor kurzem auf dieses Erwachen des grünen Lämpchens wartete. Dieser Moment kam mir vor die alle 5 Mathestunden zusammen. Da aber auch diese irgendwann vergangen sind, hatte es ein Ende. Es wurde still. Es gab keine Geräusche mehr um das Umfeld dieser Kreuzung, nur dieses einzigartige Monster, das in dieser Hülle von Carbon schlummerte und wartete, geweckt zu werden. Im nächsten Moment konnte man förmlich spüren, wie der Strom aufhörte durch den Wolfram der roten Glühbirne zu fließen, es war kurz dunkel. Nichts angezeigt. Dann wie ein Schuss aus einer MG durchschoss diese Kraft das grüne Gegenstück.

Gleichzeitig zu dem Stromschuss überkam uns eine riesige Druckwelle - präzise wie der Fluss durch den neu geschalteten Schaltkreis war die Gasannahme der Duke II. Der Boden, die Häuser ... jahrhunderte altes Gemäuer schien auf einmal so instabil. Es war ein Erdbeben ... nein! ... es war ein Bombenregen!! Das triffts! Jedes Kindergeschrei, Glocken, Gespräch ... einfach alles wurde unendlich von diesem abartigem Geboller übertönt. Es schien dass wir gegen jede Explosion einer Bombe ankämpfen mussten, um nicht gnadenlos weggeblasen zu werden. Es schien schon am Limit gewesen zu sein - extremer konnte es nicht mehr kommen.
Tja ... hättest wohl gerne ... nur ein paar Meter weiter riss dieser Höllenreiter das Gas weiter auf. Die Duke II antwortete nur mit einer in den Himmel gerichteten Front, als ob sie uns sagen wollte "ab gen Himmel und mit Anlauf direkt in die Hölle!". Da ich schon von einem 200m langen Wheely auf einer 750er Gixxer, bei der ich hinten drauf saß, verwöhnt wurde, dachte ich abgehärtet zu sein. Weit gefehlt! Meine Kinnlade wurde gnadenlos ein Opfer der Schwerkraft und der Speichelfluss hatte sich einen ungehinderten Weg in dieselbe Richtung gebahnt. Ich konnte nur noch erkennen wie das Vorderrad nach einigen Metern wieder Bodenkontakt erreichte, was sich anfühlte als ob eine Boeing 777 landet.

Diese mir unendlich scheinende Situation wurde unterbrochen, indem ich von einem Hintermann gerempelt wurde, weil auch die Fußgängerampel schon lange auf grün war ... aber diese Situation hat mir zu verstehen gegeben: die neue Saison hat begonnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine um- bzw. unfallfreie neue Motorradsaison 2005!

v.1.1
Rechtschreib- und Grammatikfehler bitte entschuldigen!

verfasst von Andreas W. (aka strafer bzw. Cortez - is ein und dieselbe Person ... und nein, ich bin ned schizophren ;) ) , 2005
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is ne - 26.3.2005 6:29:00   
firebledla

 

Beiträge: 778
Mitglied seit: 2.1.2005
Status: offline
tolle geschichte
lg
firebledla

(in Bezug auf Cortez)
Private Nachricht senden Post #: 2
fü - 26.3.2005 18:54:00   
wm37


Beiträge: 25607
Mitglied seit: 29.2.2004
Status: offline
zu lang

(in Bezug auf Cortez)
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